Hier in Deutschland sind Finasterid-Tabletten und Minoxidil-Spray die einzigen zugelassenen Behandlungen gegen erblich bedingten Haarausfall. In den USA ist jedoch auch die Rotlichttherapie offiziell von der FDA als wirksame Behandlung zugelassen.
In diesem Blog schauen wir uns an, was Rotlichttherapie eigentlich ist und wie sie bei Haarausfall wirken soll, wie wirksam sie laut klinischen Studien ist und ob sie eine sinnvolle Alternative oder Ergänzung zu klassischen Behandlungen sein kann.
Was ist Rotlichttherapie?
Rotlichttherapie, auch als Low-Level Light Therapy (LLLT) bekannt, nutzt rotes Licht (mit Wellenlängen zwischen 620–680 nm), das auf die Kopfhaut gerichtet wird, um das Haarwachstum anzuregen und Haarausfall zu stoppen. Forschende entdeckten ihr Potenzial gegen Haarausfall eher zufällig – bei einem Versuch mit Mäusen. Eigentlich untersuchten sie rotes Licht als mögliche Behandlung gegen Krebs, bemerkten dabei jedoch, dass die Mäuse mehr Haare bekamen. Wie genau die Therapie funktioniert, ist bislang noch nicht vollständig geklärt, allerdings gibt es verschiedene Theorien.
Man geht davon aus, dass sie Haarfollikel dabei unterstützen kann, wieder in die Anagenphase – also die aktive Wachstumsphase – zurückzukehren und dort länger zu bleiben, wodurch Haarausfall reduziert werden könnte. Außerdem wird vermutet, dass sie die ATP-Produktion in den Haarfollikelzellen steigert, die Durchblutung der Follikel verbessert und die Dermalpapillenzellen stimuliert, die eine wichtige Rolle beim Haarwachstum spielen. Einige Forschende ziehen zudem Parallelen zwischen den Wirkmechanismen von LLLT und Minoxidil, da beide offenbar ruhende Haarfollikel über ähnliche Prozesse reaktivieren können.
Wie wird sie angewendet?
Die Behandlung kann zu Hause mit verschiedenen Geräten wie Helmen, Kämmen oder Kappen durchgeführt werden oder in spezialisierten Kliniken. Viele Menschen entscheiden sich für Geräte zur Anwendung zu Hause, da sie sich leichter regelmäßig und langfristig nutzen lassen. Im Vergleich zu Behandlungen in der Klinik sind sie oft praktischer und auf lange Sicht kostengünstiger.
Außerdem wird die Therapie in der Regel gut vertragen. Berichtet wurden meist nur leichte Nebenwirkungen wie geringe Kopfhautreizungen oder Juckreiz.
Was zeigen klinische Studien?
Inzwischen gibt es eine wachsende Zahl von Studien zur Wirkung von LLLT bei Haarausfall. Die Ergebnisse variieren zwar, die meisten Untersuchungen zeigen jedoch moderate, aber messbare Verbesserungen bei Haardichte und Haarstärke. Allerdings sind viele Studien relativ klein, kurzfristig angelegt und beinhalten nicht immer eine Kontrollgruppe.
Eine bekannte randomisierte Studie aus dem Jahr 2013 zeigte, dass Männer, die über einen Zeitraum von 16 Wochen jeden zweiten Tag einen Rotlicht-Helm verwendeten, einen Anstieg der Haaranzahl von etwa 35–39 % erreichten, während sich in der Placebogruppe keine nennenswerte Veränderung zeigte. Das deutet darauf hin, dass Rotlichttherapie im Vergleich zu keiner Behandlung einen messbaren Effekt haben kann.
Eine kleinere Studie aus dem Jahr 2014 untersuchte Personen, die einen Laser-Kamm entweder allein oder zusammen mit Finasterid bzw. Minoxidil verwendeten. Rund 25 % zeigten eine deutliche Verbesserung, weitere 62,5 % eine moderate Verbesserung. Erste Ergebnisse waren nach etwa drei Monaten sichtbar und hielten bis zu 24 Monate an. Allerdings gab es in dieser Studie keine Placebogruppe, weshalb die Ergebnisse weniger aussagekräftig sind.
In einer weiteren 26-wöchigen klinischen Studie mit 110 Teilnehmenden erzielten diejenigen, die den HairMax Laser Comb mit 650 nm rotem Licht verwendeten, einen deutlich stärkeren Anstieg der Haardichte als Personen mit einem Schein- (Placebo-)Gerät.
Bisher gibt es allerdings nur begrenzte Forschung dazu, wie gut die Ergebnisse langfristig erhalten bleiben und wie lange mögliche Effekte anhalten.
Lohnt es sich?
Vielleicht – aber ohne weitere Forschung lässt sich das derzeit nicht eindeutig beantworten.
Als erste Empfehlung bei erblich bedingtem Haarausfall gilt meist die Kombination aus Finasterid und Minoxidil. Für beide Behandlungen gibt es eine solide Grundlage aus klinischen Studien und Daten aus der Praxis, die ihre Wirksamkeit unterstützen. Rotlichttherapie könnte eine sinnvolle Ergänzung zu deiner bestehenden Haarverlust-Routine sein, wenn du deine Ergebnisse zusätzlich unterstützen möchtest und bereit bist, in ein eigenes Gerät oder Klinikbesuche zu investieren. Wenn du nach Alternativen zu klassischen Behandlungen suchst, könnte sie auch interessant sein, falls andere Optionen für dich nicht geeignet sind oder nicht gut vertragen werden.
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