Wie sprechen Männer über Haarausfall? Wir haben nachgefragt

Wie sprechen Männer über Haarausfall? Wir haben nachgefragt
26 June 2026
5- Min. Lesezeit

Reviewed by BA MB BCh BAO LRCPI & LRCSI MICGP MBA

Written by Our Editorial Team

Eine der größten Herausforderungen bei Haarausfall ist für viele Männer das Gefühl, nicht offen darüber sprechen zu können. Besonders schwierig wird es, wenn die Veränderungen für andere sichtbar sind. Wenn du das hier liest, hast du wahrscheinlich selbst Erfahrungen mit Haarausfall gemacht – und mit dem oft komplizierten Prozess, ihn zu akzeptieren, zu entscheiden, ob du etwas dagegen unternehmen möchtest, und darüber mit anderen zu sprechen.

Wir wollten herausfinden, warum so viele Männer diese Gespräche vermeiden – und was dabei helfen könnte, sie leichter zu führen.

„Akzeptier es einfach“ – leichter gesagt als getan

In den sozialen Medien lesen wir oft Kommentare wie: „Akzeptier es einfach, das gehört zum Mannsein dazu.“ Auf den ersten Blick klingt das vielleicht gut gemeint. Tatsächlich sind mehr als die Hälfte aller Männer bis zu ihrem fünfzigsten Lebensjahr von erblich bedingtem Haarausfall betroffen. Es stimmt also: Die meisten Männer erleben das irgendwann in ihrem Leben.

Aber nur weil etwas häufig vorkommt, heißt das nicht, dass es leicht ist, damit umzugehen.

Solche Aussagen können manchmal dazu führen, dass Männer sich dafür schämen, sich wegen ihres Haarausfalls unsicher zu fühlen oder eine Behandlung in Betracht zu ziehen. Für viele Männer beeinflusst Haarausfall ihr Selbstbewusstsein, ihr Selbstwertgefühl und ihr Gefühl der eigenen Identität. Natürlich gibt es auch Menschen, denen das nichts ausmacht – und das ist völlig okay. Aber das trifft eben nicht auf jeden zu.

Viele Männer stecken scheinbar in einer Zwickmühle: Sie versuchen nicht nur zu verbergen, dass sie Haare verlieren, sondern auch, dass sie darunter leiden. Wir haben mit Mitgliedern der Männer-Community Shoulder to Shoulder (S2S) über ihre Erfahrungen mit Haarausfall gesprochen.

Gründer Dan erzählte uns, dass Haarausfall vor seiner Behandlung eine seiner größten Unsicherheiten war. Er belastete sein Selbstvertrauen im Alltag so sehr, dass – wie er es ausdrückte – „Caps mein bester Freund wurden“.

Warum Männer selten darüber sprechen

Besonders auffällig war, wie selten die Mitglieder offen darüber gesprochen hatten, wie sich ihr Haarausfall auf sie auswirkte. Ihre Erfahrungen decken sich mit einer Studie der University of Surrey aus dem Jahr 2025, veröffentlicht im Fachjournal Sage Journals. Dort wurden 34 Männer mit erblich bedingtem Haarausfall interviewt.

Für viele der befragten Männer waren Witze oder lockere Sprüche oft die einzigen Gespräche, die sie überhaupt über ihr Haar führten. Lichtes Haar galt als „Freiwild“ für Neckereien. Viele machten sogar selbst abwertende Witze über ihren Haarausfall, weil sie das Bedürfnis hatten zu zeigen, dass sie „eigentlich gar nicht so sehr betroffen“ seien.

Das Problem ist nur: Viele waren es eben doch.

Wenn sich die Gelegenheit ergab, offen darüber zu sprechen, empfanden viele das als große Erleichterung. Selbst wenn sie nicht direkt über die emotionalen Herausforderungen sprachen, tat es gut, praktische Schritte anzusprechen – etwa den Kopf zu rasieren oder eine Behandlung zu beginnen. Allein anzuerkennen, was gerade passiert, konnte helfen.

Dan beschrieb etwas Ähnliches. Immer wenn sein Haarausfall zur Sprache kam, versuchten Familie und Freunde ihn zu beruhigen und sagten, sein „Haar sehe doch noch gut aus“ und es sei „nichts, worüber man sich Sorgen machen müsse“. Auch wenn das gut gemeint war, hatte er später das Gefühl, dass „Ehrlichkeit oder die Bestätigung meiner Sorgen langfristig hilfreicher gewesen wären“.

Sam, ein weiteres Mitglied von S2S, sagte, dass er Witze, die Männern vermitteln sollten, dass Haarausfall „vielen von uns passieren wird“, durchaus aufmunternd fand. Weniger hilfreich fand er dagegen Kommentare, die darauf abzielten, ihn herunterzumachen.

George, einer der Männer aus der Studie, sah die Sache wiederum anders. Für ihn war Haarausfall etwas, das man einfach hinnehmen müsse, weil „man sowieso nichts dagegen tun kann“. Trotz seiner Schwierigkeiten, sich damit abzufinden, hielt er Gespräche darüber für „ziemlich sinnlos“.

Diese Sichtweise teilten auch andere Teilnehmer der Studie. Viele hatten das Gefühl, nicht über ihre Probleme mit Haarausfall sprechen zu können, weil sie sonst eitel wirken könnten oder weil sie meinten, es sei etwas, mit dem man einfach klarkommen müsse.

Unterschiedliche Erfahrungen – aber sie weisen alle auf dasselbe hin: Haarausfall hat oft einen größeren emotionalen Einfluss, als viele Menschen glauben. Gleichzeitig fällt es vielen Männern nach wie vor schwer, offen darüber zu sprechen.

Die emotionale Seite von Haarausfall

In einer weiteren Studie aus dem vergangenen Jahr mit dem Titel „It’s Just Hair, Right?“ beschreiben Männer das Entdecken erster Anzeichen von Haarausfall als sehr emotionale Erfahrung. Sie berichten von der ständigen Sorge, dass jemand darauf aufmerksam werden, sich darüber lustig machen oder sie dadurch für potenzielle Partner weniger attraktiv erscheinen könnten.

Manche vermieden soziale Aktivitäten. Andere verbrachten immer mehr Zeit vor dem Spiegel, um lichte Stellen zu kaschieren oder sich Gedanken darüber zu machen, was Wind oder Regen sichtbar machen könnten.

Obwohl Haarausfall das Selbstbewusstsein und die Selbstwahrnehmung vieler Männer beeinflusst, beschränken sich Gespräche darüber oft auf Humor, praktische Tipps oder die stoische Erwartung, es einfach zu akzeptieren.

Warum Gemeinschaft helfen kann

Genau deshalb gibt es Gemeinschaften wie Shoulder to Shoulder. Die Grundidee dahinter: Vielen Männern fällt es schwer, von Angesicht zu Angesicht über persönliche oder schwierige Themen zu sprechen. Die Gründer Dan und Tom stellten fest, dass Männer oft leichter ins Gespräch kommen, wenn sie gemeinsam etwas unternehmen – selbst wenn es nur ein Spaziergang ist.

Die Community wächst stetig weiter, also scheinen sie damit den Nerv vieler Männer getroffen zu haben.

Sowohl Sam als auch Dan berichteten, dass sie sich mit ihren Haaren deutlich wohler fühlen, seit sie etwas dagegen unternommen haben – sei es durch eine Haartransplantation oder durch die Behandlung mit Finasterid und Minoxidil.

Aber eine Behandlung ist nicht der einzige Weg, sich besser zu fühlen.

In „It’s Just Hair, Right?“ beschreiben Männer, wie sie Frieden mit ihrem Haarausfall fanden, indem sie sich den Kopf rasierten. Es gibt sogar eine eigene Reddit-Community dafür: r/bald. Dort unterstützen sich Menschen gegenseitig dabei, Glatze selbstbewusst zu tragen. Indem sie Vorher-Nachher-Bilder teilen, bestärken sie sich darin, „stolz auf ihre Glatze zu sein“.

Der gemeinsame Nenner: Anerkennung

Ob durch eine Behandlung, das Rasieren des Kopfes, den Austausch in einer Community wie S2S oder einfach durch ein ehrlicheres Gespräch über das, was gerade passiert – der gemeinsame Nenner ist Anerkennung.

Haarausfall mag unglaublich häufig sein, aber das bedeutet nicht, dass jeder Mann ihn gleich erlebt. Manchmal ist der erste Schritt zu einem besseren Umgang damit einfach anzuerkennen, dass es einen belastet.

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