Wenn du darüber nachdenkst, Finasterid gegen erblich bedingten Haarausfall einzusetzen, fragst du dich vielleicht, welchen Einfluss es auf deinen Testosteronspiegel hat. In diesem Artikel schauen wir uns genauer an, was mit deinen Hormonen passiert, wenn du Finasterid einnimmst, und welche möglichen Nebenwirkungen mit diesen Veränderungen verbunden sein können.
Wie wirkt Finasterid?
Finasterid hilft gegen Haarausfall, indem es das Enzym 5α-Reduktase blockiert. Dieses Enzym wandelt Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) um. Manche Männer reagieren genetisch empfindlicher auf DHT. Das Hormon bindet an Rezeptoren in den Haarfollikeln und beeinflusst den Haarwachstumszyklus.
Dadurch verkürzt sich die Anagenphase (Wachstumsphase), die Haarfollikel schrumpfen und produzieren mit der Zeit immer dünnere Haare. Das Ergebnis ist schleichender Haarverlust und sichtbare Ausdünnung.
Indem Finasterid die Typ-II-5α-Reduktase hemmt, senkt es die DHT-Werte. Studien zeigen, dass dies weiteren Haarausfall stoppen, das Haarwachstum fördern und die Haardichte verbessern kann.
Wie beeinflusst Finasterid DHT- und Testosteronspiegel?
Studien zeigen, dass Finasterid tatsächlich zu einem leichten Anstieg des Testosteronspiegels führt. Der Grund: Weniger Testosteron wird in DHT umgewandelt, das Hormon, das maßgeblich für erblich bedingten Haarausfall verantwortlich ist.
Die Standarddosis von Finasterid zur Behandlung von männlichem Haarausfall beträgt 1 mg täglich. Eine einjährige Anwendung dieser Dosierung senkte die DHT-Konzentration im Blut um durchschnittlich 68 % und erhöhte den Testosteronspiegel um 9 %. Dieser Anstieg blieb jedoch innerhalb des normalen Bereichs für Männer und gilt daher nicht als klinisch bedeutsam.
Einige Männer fragen sich möglicherweise, welche Auswirkungen dieser Testosteronanstieg auf den Estradiolspiegel hat. Estradiol gehört zur Gruppe der Östrogene und spielt auch bei Männern eine wichtige Rolle, etwa für die Fettverteilung, die Knochengesundheit, die Libido und die sexuelle Funktion.
Normalerweise hält der Körper das Verhältnis zwischen Testosteron und Estradiol im Gleichgewicht. Steigt der Testosteronspiegel an, kann der Körper darauf reagieren und ebenfalls etwas mehr Estradiol produzieren.
Studien zeigen, dass bei Männern, die täglich 1 mg Finasterid einnehmen, sowohl Testosteron als auch Estradiol leicht ansteigen können. Das Verhältnis zwischen beiden Hormonen bleibt jedoch unverändert. Deshalb sind Nebenwirkungen, die mit erhöhten Estradiolwerten in Verbindung gebracht werden, wie etwa eine Vergrößerung des Brustgewebes (Gynäkomastie), selten.
In klinischen Studien mit Finasterid 1 mg täglich war die Häufigkeit von Brustempfindlichkeit oder Brustvergrößerung identisch mit der von Männern, die ein Placebo erhielten (0,4 %). Auch die Auswertung derselben Studie zeigte keinen Unterschied zwischen Finasterid und Placebo.
Wie sieht es mit sexuellen Nebenwirkungen aus?
Viele Männer denken bei möglichen sexuellen Nebenwirkungen wie Erektionsstörungen oder vermindertem sexuellem Verlangen sofort an Testosteron. Tatsächlich spielt DHT jedoch eine direktere Rolle bei verschiedenen Aspekten der sexuellen Funktion. Deshalb kann Finasterid in einigen Fällen sexuelle Nebenwirkungen verursachen.
Aber wie häufig sind sie wirklich?
In klinischen Studien mit insgesamt 1.879 Männern berichteten etwa 3,8 % der Männer unter Finasterid von sexuellen Nebenwirkungen, verglichen mit 2,1 % der Männer in der Placebo-Gruppe. In den meisten Fällen verschwanden diese Beschwerden entweder während der weiteren Behandlung oder nach dem Absetzen des Medikaments.
Interessanterweise berichteten also auch Männer, die lediglich ein Placebo erhielten, über sexuelle Nebenwirkungen. Das deutet darauf hin, dass die Erwartung möglicher Nebenwirkungen deren Wahrnehmung beeinflussen kann. Dieses Phänomen wird als „Nocebo-Effekt“ bezeichnet.
Eine randomisierte kontrollierte Studie untersuchte dies bei älteren Männern, die 5 mg Finasterid gegen eine gutartige Prostatavergrößerung einnahmen. In der Gruppe, die vorab über mögliche sexuelle Nebenwirkungen informiert wurde, waren entsprechende Berichte etwa dreimal häufiger als in der Gruppe ohne diese Information.
Trotzdem ist das Risiko nicht nur Einbildung. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2018, die Daten aus 15 placebokontrollierten Studien mit mehr als 4.000 Männern auswertete, kam zu dem Ergebnis, dass das Risiko für sexuelle Funktionsstörungen unter Finasterid etwa 1,66-mal höher war als unter Placebo.
Die Daten zeigen also: Das Risiko sexueller Nebenwirkungen ist gering, aber real. Deshalb enthält Finasterid entsprechende Warnhinweise. In den meisten Fällen verschwinden die Symptome während der weiteren Einnahme oder nach dem Absetzen wieder. Es gibt jedoch eine kleine Anzahl von Berichten über Beschwerden, die auch nach dem Beenden der Behandlung anhielten.
Wenn du glaubst, Nebenwirkungen durch Finasterid zu bemerken, solltest du vor der weiteren Einnahme mit deinem Arzt oder deiner Ärztin sprechen.
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