Wenn du mehr Haarverlust oder dünneres Haar bemerkst, ist der erste Schritt zur richtigen Behandlung oder passenden Maßnahme zu verstehen, warum dein Haar ausfallen könnte. Unten findest du die häufigsten Ursachen für Haarausfall und wie du sie erkennst.
Der männliche Haarausfall, auch androgenetische Alopezie genannt, ist eine genetische Erkrankung und die häufigste Ursache für Haarausfall bei Männern und Frauen. Manche Männer bemerken ihn früher, weil ihre Haarfollikel empfindlicher auf das männliche Hormon Dihydrotestosteron (DHT) reagieren. DHT bindet sich an die Follikel und lässt sie schrumpfen – ein Prozess, der „Miniaturisierung“ genannt wird. Er verkürzt die Anagen- (Wachstums-) phase und führt dazu, dass das Haar mit jedem Zyklus kürzer und dünner wächst, bis es schließlich gar nicht mehr wächst.
Männlicher Haarausfall verläuft nach einem gut erkennbaren Muster: bei Männern beginnt das Haar meist an den Schläfen/Haaransatz oder am oberen Hinterkopf (Tonsur) auszudünnen. Die Follikel an den Seiten und am Hinterkopf reagieren meist nicht auf DHT, weshalb dieses Haar häufig für Haartransplantationen verwendet wird.
Auch wenn er genetisch bedingt ist, kann er behandelt werden. Finasterid und Minoxidil-Spray sind von der MHRA zugelassene, klinisch bewährte Behandlungen für diesen Haarausfalltyp – nicht die einzigen Optionen, aber die etabliertesten.
Ein belastendes Ereignis kann einen schnellen Haarausfall namens Telogeneffluvium auslösen. Auslöser können u. a. plötzlicher Gewichtsverlust, Krankheiten, Operationen oder eine Geburt sein. Typisch ist dabei ein diffuser Haarausfall über den gesamten Kopf, da viele Follikel abrupt von der Wachstumsphase (Anagen) in die Ruhephase (Telogen) wechseln.
Mit der zunehmenden Nutzung von Abnehmmitteln wie Ozempic oder Mounjaro berichten Nutzer über Haarausfall. Hinweise deuten darauf hin, dass dies weniger ein direkter Effekt der Medikamente, sondern eher eine Folge des schnellen Gewichtsverlusts ist, der Telogeneffluvium auslösen kann. Auch während der Covid-19-Pandemie wurde verstärkt Haarausfall beobachtet. Eine Studie zeigte, dass ein einzelnes, extrem belastendes Ereignis das Nervensystem beeinflussen und eine Reaktion auslösen kann, bei der Haarfollikel-Stammzellen absterben – was erklären könnte, warum sich der Haarwuchs nach Stress nicht immer vollständig erholt.
Bei Telogeneffluvium wächst das Haar in der Regel nach, sobald der Auslöser behoben ist.
Auch chronischer Stress – etwa anhaltender Arbeitsstress – wurde mit Haarausfall in Verbindung gebracht. Studien deuten darauf hin, dass Follikel dadurch länger in der Ruhephase verbleiben.
Viele Nährstoffe sind entscheidend für gesundes, kräftiges Haar. Fehlen sie, kann das Haar ausfallen. Besonders wichtig sind u. a. Eisen, Zink, Vitamin D, B-Vitamine und Proteine.
Wenn du glaubst, an einem Mangel zu leiden, sprich am besten mit deinem Arzt und lass ein Blutbild machen. Je nach Ergebnis können Ernährungsanpassungen oder Nahrungsergänzungsmittel empfohlen werden.
„Alopezie“ bedeutet grundsätzlich Haarausfall – es gibt jedoch verschiedene Formen davon.
Eine davon ist die Alopecia areata, eine Autoimmunerkrankung, deren Ursachen noch nicht vollständig verstanden sind. Sie verursacht oft runde oder ovale kahle Stellen auf der Kopfhaut, kann aber auch andere behaarte Körperstellen betreffen. Ihr Verlauf ist weniger vorhersehbar und kann schubweise auftreten oder sich zurückbilden. Die Erkrankung entsteht dadurch, dass das Immunsystem gesunde Haarfollikel angreift – der Grund dafür ist unbekannt. Sie kann in jedem Alter auftreten, beginnt aber in etwa der Hälfte aller Fälle bereits im Kindesalter und tritt oft gemeinsam mit anderen Autoimmunerkrankungen wie Schilddrüsenerkrankungen auf.
Einige Erkrankungen – wie Schilddrüsenprobleme – können Haarausfall verursachen. Auch bestimmte Medikamente, z. B. gegen Bluthochdruck, Arthritis oder Depressionen, können Haarausfall auslösen. Gut dokumentiert ist zudem Haarausfall durch Chemotherapie. Diese Medikamente greifen schnell teilende Zellen an – dazu gehören Krebszellen, aber auch Haarfollikelzellen. Bei den meisten Betroffenen wächst das Haar nach Ende der Behandlung wieder nach. Zur Linderung tragen manche Patienten eine Kühlkappe, die die Durchblutung der Kopfhaut reduziert und so verhindert, dass zu viele Wirkstoffe die Follikel erreichen.
Wenn du über längere Zeit dünner werdendes Haar oder kahle Stellen bemerkst, suche frühzeitig medizinischen Rat. Fast jede Form von Haarausfall spricht besser auf eine Behandlung an, wenn sie früh begonnen wird.
Alle unsere Blogartikel werden vor der Veröffentlichung von unserem medizinischen Direktor auf medizinische Richtigkeit überprüft.
Posted in: Alles, Finasterid, Haarausfall, Minoxidil