Minoxidil vs Finasterid – Was hilft besser gegen Haarausfall?

Minoxidil vs Finasterid – Was hilft besser gegen Haarausfall?

Minoxidil-Spray und Finasterid-Tabletten gehören seit Jahrzehnten zu den Standardbehandlungen bei androgenetischer Alopezie (erblich bedingtem Haarausfall bei Männern). Beide sind durch klinische Studien und langjährige Anwendung in der Praxis gut belegt, unterscheiden sich jedoch deutlich in ihrer Wirkungsweise.

In diesem Blog erklären wir, wie Minoxidil und Finasterid jeweils wirken, ob man sie gemeinsam anwenden kann und welche Option bei Haarausfall besser geeignet ist.

Wie wirkt Minoxidil?

Minoxidil wurde ursprünglich in den 1970er-Jahren zur Behandlung von Bluthochdruck verschrieben. Dabei trat bei etwa einem Fünftel der Anwender eine Nebenwirkung namens Hypertrichose (verstärkter Haarwuchs) auf. Das führte zur Entwicklung einer Spray-Form zur Behandlung der androgenetischen Alopezie bei Männern, später auch bei Frauen. Minoxidil 5 % Spray ist heute als rezeptfreies, zugelassenes Arzneimittel gegen erblich bedingten Haarausfall bei Männern und Frauen erhältlich.

Der genaue Wirkmechanismus von Minoxidil ist noch nicht vollständig geklärt. Man geht jedoch davon aus, dass es ruhende Haarfollikel auf folgende Weise reaktivieren kann:

  • Verbesserung der Durchblutung verkleinerter Haarfollikel, wodurch sie wieder mit Sauerstoff und Nährstoffen für einen gesunden Haarzyklus versorgt werden

  • Verkürzung der Telogenphase (Ruhephase), sodass der Follikel schneller wieder in die Anagenphase (Wachstumsphase) eintritt; außerdem vermutlich eine Verlängerung der Anagenphase, was zu dichterem und längerem Haar führt

  • Förderung von Wachstumsfaktoren wie VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor), der die Bildung neuer Blutgefäße (Angiogenese) anregt

Forscher gehen davon aus, dass ein Enzym namens Sulfotransferase, das direkt auf der Kopfhaut vorkommt, beeinflussen kann, wie gut jemand auf Minoxidil anspricht. Dieses Enzym wandelt Minoxidil in seine aktive Form, Minoxidil-Sulfat, um. Personen mit einer geringen Enzymaktivität auf der Kopfhaut sprechen möglicherweise schlechter auf das Spray an. Wenn du Minoxidil-Spray seit mehr als sechs Monaten verwendest und vermutest, nicht darauf anzusprechen, gibt es eine Alternative: Minoxidil-Kapseln, auf die wir weiter unten genauer eingehen.

Wie wirkt Finasterid?

Finasterid wirkt direkt gegen das Hormon, das für erblich bedingten Haarausfall verantwortlich ist: Dihydrotestosteron (DHT). Es gehört zur Gruppe der 5-α-Reduktase-Hemmer und blockiert das Enzym, das Testosteron in DHT umwandelt.

Manche Männer reagieren genetisch besonders empfindlich auf DHT. Dieses bindet an die Haarfollikel und lässt sie schrumpfen, sodass das Haar mit jedem Wachstumszyklus dünner und kürzer wird – bis es schließlich ausfällt. Finasterid senkt den DHT-Spiegel um etwa 70 %, was den Haarausfall verlangsamen oder stoppen kann.

Was ist besser?

Das hängt von verschiedenen Faktoren ab – unter anderem vom Ausmaß des Haarausfalls, deiner medizinischen Vorgeschichte und deinen persönlichen Vorlieben.

Objektiv betrachtet zeigen klinische Studien, dass Finasterid-Tabletten bei einem höheren Anteil der Männer den Haarausfall stoppen als Minoxidil-Spray. Finasterid 1 mg konnte bei 90 % der Anwender den Haarausfall stoppen und bei 60 % sogar neues Haarwachstum anregen. Eine Studie zeigte hingegen, dass Minoxidil 5 % Spray bei 84 % der Männer wirksam war, um den Haarausfall zu stoppen.

Wenn medizinisch geeignet, sind beide Wirkstoffe in Kombination am effektivsten. Eine klinische Studie aus dem Jahr 2015 ergab, dass Finasterid allein wirksamer ist als Minoxidil allein – die Kombination beider Therapien jedoch die besten Ergebnisse liefert.

Alternative Darreichungsformen

Auch wenn Studien zeigen, dass Finasterid-Tabletten und Minoxidil-Spray für die meisten Menschen wirksam sind, bedeutet das nicht, dass sie für jeden die beste Wahl darstellen.

Wie bereits erwähnt, sprechen manche Menschen möglicherweise nicht auf Minoxidil-Spray an, wenn sie von Natur aus nur wenig Sulfotransferase-Enzyme auf der Kopfhaut haben. Minoxidil-Kapseln werden hingegen direkt über den Blutkreislauf aufgenommen und im Körper verstoffwechselt. Man geht davon aus, dass die Umwandlung in aktives Minoxidil-Sulfat in der Leber erfolgt, wo eine höhere Konzentration der benötigten Enzyme vorhanden ist. Daher kann orales Minoxidil eine geeignete Alternative für sogenannte Non-Responder des Sprays sein. Außerdem vermeiden die Kapseln mögliche Nebenwirkungen wie Trockenheit oder Reizungen der Kopfhaut, die bei der Anwendung des Sprays auftreten können.

Ähnlich verhält es sich bei Finasterid: Topisches Finasterid (z. B. als Spray) ist mit einem geringeren Risiko für Nebenwirkungen verbunden als Tabletten, da es direkt an den Haarfollikeln wirkt und weniger Wirkstoff in den Blutkreislauf gelangt. Eine Studie aus dem Jahr 2022 zeigte, dass bei der Anwendung von topischem Finasterid keine schwerwiegenden Nebenwirkungen auftraten und die Verbesserung der Haardichte vergleichbar mit oralem Finasterid war. Die aktuelle Studienlage deutet also darauf hin, dass topisches Finasterid ebenso wirksam ist wie Tabletten – bei geringerem Nebenwirkungsrisiko.

Wenn du unsicher bist, welche Behandlungsoption für dich am besten geeignet ist, kannst du unsere kostenlose Online-Beratung nutzen und erhältst eine individuelle Empfehlung.

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