Verursacht zu häufiges Haarewaschen Haarausfall?

Verursacht zu häufiges Haarewaschen Haarausfall?

Der Waschtag kann für viele Menschen mit Haarausfall zu einer echten Belastung werden – und das ist nachvollziehbar. Haare im Abfluss oder an den Händen beim Shampoonieren zu sehen, kann verunsichern. Deshalb verbinden viele das Haarewaschen irgendwann direkt mit Haarausfall. Mit der Zeit führt diese Angst dazu, dass das Shampoonieren hinausgezögert oder ganz vermieden wird.

Die gute Nachricht: Zu häufiges Haarewaschen ist sehr unwahrscheinlich die Ursache für deinen Haarausfall. Im Gegenteil – eine zu deinem Haartyp passende Waschroutine, die die Kopfhaut sauber hält, ohne das Haar auszutrocknen, kann die Gesundheit der Kopfhaut sogar unterstützen.

Die häufigste Ursache für Haarausfall bei Männern ist die androgenetische Alopezie (erblich bedingter Haarausfall). Sie lässt sich mit verschiedenen Behandlungen effektiv kontrollieren. Online-Trends wie die sogenannte No-Poo-Methode behaupten zwar, Haarausfall durch den Verzicht auf Shampoo verhindern zu können – dafür gibt es jedoch keinerlei wissenschaftliche Belege.

In diesem Artikel erklären wir, warum Haarewaschen keinen Haarausfall verursacht, was „zu häufiges Waschen“ wirklich bedeutet und welche Behandlungen nachweislich helfen.

Kann zu häufiges Waschen Haarausfall verursachen?

Kurz gesagt: Nein.

Es ist verständlich, dass viele das Haarewaschen mit Haarausfall in Verbindung bringen, da das Ausfallen dabei besonders auffällt. Ein typisches Anzeichen für erblich bedingten Haarausfall ist, mehr Haare unter der Dusche zu sehen – das bedeutet jedoch nicht, dass das Waschen die Ursache ist.

Bei androgenetischer Alopezie verbringen Haarfollikel mehr Zeit in der Telogen- (Ruhe-)Phase und weniger Zeit in der Anagen- (Wachstums-)Phase. Haare in der Ruhephase sind bereit auszufallen. Beim Waschen werden diese Haare lediglich gelöst – sie wären ohnehin ausgefallen, ganz egal ob du deine Haare wäschst oder nicht.

Was gilt als „zu häufiges Waschen“?

Das hängt von deinem Haartyp ab.

Grundsätzlich gilt: Menschen mit lockigem oder Afro-texturiertem Haar sollten seltener waschen, da die natürliche Ölverteilung durch die Haarstruktur erschwert ist. Diese Haartypen neigen schneller zu Trockenheit und Haarbruch. Feines oder glattes Haar hingegen wirkt schneller fettig, weshalb häufigeres Waschen nötig sein kann, um überschüssigen Talg und Schmutz zu entfernen.

Es gibt keine pauschale Regel. Ein guter Richtwert ist:

  • Wirkt dein Haar fettig oder strähnig, solltest du häufiger waschen.
  • Wirkt es trocken und frizzig, wäschst du möglicherweise zu oft oder verwendest zu aggressive Produkte.

Was ist die No-Poo-Methode?

Die No-Poo-Methode bedeutet, komplett auf klassisches Shampoo zu verzichten.

Befürworter behaupten, Shampoo entziehe der Kopfhaut ihre natürlichen Öle, was zu einer Überproduktion von Talg, Kopfhautproblemen und sogar Haarausfall führe. Nach einer angeblichen Umstellungsphase von etwa sechs Wochen solle sich die Talgproduktion wieder „einpendeln“.

Statt Shampoo werden alternative Methoden genutzt: kräftiges Ausspülen nur mit Wasser, Hausmittel wie Apfelessig oder Natron oder intensives Bürsten mit Wildschweinborsten, um die Öle im Haar zu verteilen. Diese Ansätze werden oft als „natürlicher“ und damit überlegen dargestellt.

Online berichten manche, dass sich Schuppen verbessert oder Haarausfall gestoppt habe – biologisch halten diese Behauptungen jedoch nicht stand.

Warum der Verzicht auf Shampoo nicht hilft

Erblich bedingter Haarausfall wird durch das Hormon Dihydrotestosteron (DHT) verursacht, das an Haarfollikel bindet und sie schrumpfen lässt. Mit der Zeit produzieren diese Follikel nur noch kurze, dünne Haare, die die Hautoberfläche nicht mehr durchbrechen – es kommt zu sichtbarem Haarausfall.

Schuppen hingegen hängen mit einer Übervermehrung eines natürlichen Hefepilzes namens Malassezia zusammen, der sich von Kopfhautölen ernährt. Medizinische Shampoos mit Wirkstoffen wie Ketoconazol, Zinkpyrithion oder Selensulfid werden häufig eingesetzt, um Schuppen zu behandeln.

Wer ganz auf Shampoo verzichtet, riskiert eine Ansammlung von Schmutz, Umweltpartikeln und Talg auf der Kopfhaut – was mit mehr Kopfhautproblemen einhergeht.

Eine Studie zeigte, dass Gruppen mit sehr seltenem Haarewaschen (z. B. Astronauten oder Antarktis-Forschungsteams) erhöhte Malassezia-Werte sowie mehr Juckreiz und Schuppen entwickelten. Umgekehrt führte häufigeres Waschen bei Menschen mit seborrhoischer Dermatitis oder Schuppen zu weniger Pilzbefall, Rötungen und Juckreiz. Das spricht klar dafür, dass regelmäßige Reinigung die Kopfhautgesundheit verbessert.

Die meisten Belege für die No-Poo-Methode sind rein anekdotisch. Es gibt keine Studien, die langfristige Effekte oder einen Nutzen gegen erblich bedingten Haarausfall belegen. Im Gegensatz dazu sind Minoxidil und Finasterid seit Jahrzehnten wissenschaftlich untersucht.

Klinisch belegte Behandlungen bei erblich bedingtem Haarausfall

Wenn du Haarausfall stoppen oder weiteres Ausdünnen verhindern möchtest, sind diese Optionen wissenschaftlich fundiert:

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